Info 2019

Antrag im Klingenberger Stadtrat: Mehr Wohnnungen für Klingenberg

Mit der Abarbeitung eines Antrags zur Bebauung auf dem Klingenberger Maindamm zeigt sich eine überfraktionelle Stadtratsgruppe sehr unzufrieden. Weil Bürgermeister Reichwein den am 10. Oktober gestellten Antrag der Rätinnen und Räte Fridolin Bachmann, Anja Becker, Harald Fischmann, Stefani Lang, Dr. Reinfried Galmbacher, Dr. Sigrun Imhäuser, Irmi Markert, Judith Mündel-Hechtfischer und Therese Stendel erste Mitte November in öffentlicher Stadtratssitzung behandeln lassen will, wählt eine überfraktionelle Gruppe des Klingenberger Stadtrats den Weg einer Pressemitteilung, um die Öffentlichkeit von ihrem Anliegen zu informieren und so zu verhindern, dass die Angelegenheit noch weiter verschleppt wird.

In dem genannten Antrag fordern sie den Stadtrat auf zu beschließen, dass die Stadt Klingenberg oder die städtische Bau- und Wohnungs GmbH betraut werden soll, einen Planungsentwurf zur Wohnbebauung der städtischen Mainuferpromenade südlich und westlich des neuen Rathauses zu beauftragen. Die Gruppe hält eine Entscheidung für die Bebauung des oben genannten Areals mit Wohngebäuden für städtebaulich geboten. Besonders problematisch wird gesehen, dass in nichtöffentlicher Sitzung bisher nur ein Alternativprojekt bebildert dargestellt wurde. Um sich die Möglichkeit einer Wohnbebauung besser auf dem genannten Areal vorstellen zu können, sollte eine diesbezügliche Entwurfsplanung in Auftrag gegeben werden.

Die Vorteile der Schaffung von Wohnraum an genannter Stelle lägen in der Bereicherung des Stadtzentrums durch neue Bewohner, die damit mit sofortiger Wirkung des Bezugs für die Sicherung bzw. Vermehrung der Einkommenssteuerzuweisungen sorgen würden. Der Zuzug von Familien würde gerade an genannter Stelle zu einer nachhaltigen Belebung der Altstadt führen. Andere nennenswerte Möglichkeiten für die Gewinnung von Wohnraum im Stadtteil Klingenberg existieren nicht. Die Verjüngung der Einwohnerstruktur ist für Kitas, den Schulstandort, die Nahversorgung, Vereine, Pfarreien etc. sehr wichtig und damit von entscheidender Bedeutung für die Zukunft Klingenbergs. Zu weiteren Belebung der Altstadt böte sich zudem die Projektierung eines mehrere Leerstandsimmobilien umfassenden Altstadthotels an. Am Ende des Antrags begründen die Stadträtinnen und Stadträte ihren Schritt, dass es für eine derart wichtige Entscheidung nötig sei, herauszufinden, was mit der Bebauung des genannten Areals erreicht werden soll. Dazu gehöre es, alle Pro- und Kontraargumente für Wohn- bzw. eine Alternativbebauung intensiv abzuwägen, was nur gelingen könne, wenn für alle Vorschläge auch mindestens eine Entwurfsskizze vorliegt.

Fridolin Bachmann, Anja Becker, Harald Fischmann, Dr. Sigrun Imhäuser, Stefani Lang, Irmi Markert, Judith Mündel-Hechtfischer, Therese Stendel

 

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Umweltschutz als zentrale Forderung an Politik
Grüne Doppelspitze Rüttger/Fischmann in Klingenberg im Amt bestätigt

Der neue Vorstand der Klingenberger Bündisgrünen: Judith Mündel-Hechtfischer, Mattis Fischmann, Harald Fischmann, Annette Rüttger, Joachim Schneider, Steffi Lang (von links)

„Wir brauchen in Klingenberg, Bayern, Deutschland und Europa eine sozial-ökologische Wende“. Das war das einhellige Bekenntnis der Besucher der letzten Ortsversammlung der Bündnisgrünen in Klingenberg, bei der sich erstmals in Klingenberg ein sechsköpfiger Vorstand konstituiert hat. Die alte Doppelspitze aus Annette Rüttger und Harald Fischmann wurde einstimmig in ihrem Amt bestätigt. Als Beisitzer wurden ebenso einhellig Steffi Lang, Jüdith Mündel-Hechtfischer und Mattis Fischmann, als Protokollant Joachim Schneider gewählt.Ortssprecher Fischmann sieht die Grünen als entscheidende politische Größe: Laut Umfragen betrachten die Deutschen Umweltschutz erstmals als wichtigste politische Herausforderung. Damit sind Jahrzehnte alte grüne Forderungen inzwischen politischer Mainstream. Die Umsetzung vor Ort scheitere allerdings immer wieder an der Ignoranz der Mehrheit der politisch Verantwortlichen. In Zeiten, in denen selbst die bayerische Landesregierung offiziell vor der Erhöhung der Bodenversiegelung warne, träumen ewig Gestrige immer noch davon, die Lösung wirtschaftliche Probleme durch die Ausweisung von neuen Gewerbegebieten zu erreichen. Die Forderung, kommunale Grünflächen zu Blühwiesen umzugestalten, würde beispielsweise vom Klingenberger Bürgermeister mit dem simplen Hinweis quittiert, dass die Stadt hier vorbildlich sei, anstatt die Gelegenheit zu nutzen, das Potential für Insekten- und Vogelschutz auch umzusetzen. Der grüne Vorschlag, ein Ökoquartier mit zentraler klimafreundlicher Wärmeversorgung zu errichten, wird ausgesessen, stattdessen Stadtplaner mit der Skizzierung von 08/15-Baugebieten ohne besondere Berücksichtigung ökologischer Anforderungen beauftragt. „Wer Umweltschutz und damit den Schutz unserer Lebensgrundlage will, muss grün wählen“, lautete Fischmanns Fazit.

In einer Diskussion um die Chancen der EU erklärte Michael Zengel mit Blick auf Klingenberg, dass Geld für ökologische Maßnahmen wie dem Auskoffern belasteter Böden prinzipiell da sei, allerdings eben in andere Maßnahmen investiert werde. Er wünscht sich eine bessere Vernetzung der grünen Bewegung in der EU, von der er sich eine höhere Impulskraft für umweltpolitische Veränderungen in Europa verspricht. Er mahnt aber Augenmaß bei der Festsetzung von Grenzwerten an. Irmi Markert wünscht sich dagegen noch mehr feste Regeln für die Verhinderung von Eintragungen von Spurenstoffen wie Abbauprodukten aus Pflanzenschutzmitteln und Arzneistoffen ins Grundwasser, dessen Schutz neben dem des Klimas auch Annette Rüttger als vorrangiges Ziel betrachtet. Letztere beurteilt den Druck durch die EU-Nitratverordnung auf die deutsche Düngemittelverordnung und die Verurteilung Deutschlands wegen zu laxer Vorschriften als Positivbeispiel, wie die EU Öko-Standards in ihren Mitgliedstaaten durchsetzen kann. Kritische Nachfragen bezüglich der Dominanz der Großplakate anderer Parteien im aktuellen EU-Wahlkampf konterte Jochen Schneider mit der Aussage, dass allein die CSU im Landkreis Miltenberg zwanzigmal mehr für den EU-Wahlkampf ausgebe als die Kreisgrünen.