Besuch von MdB Doris Wagner im Landkreis

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Kleinheubach: Es gibt viele gute Gründe die Beteiligungsrechte von Kindern und Jugendlichen zu stärken. Ein Grund ist die sich verändernde Gesellschaft: Sie wird älter, d.h.  die Kinder und Jugendliche werden weniger und damit besteht die Gefahr, dass die Anliegen der Kinder und Jugendlichen noch weiter ins Abseits geraten. Bündnis 90/DIE GRÜNEN wollen aber eine generationengerechte Gesellschaft und daher muss es Kindern und Jugendlichen möglich sein, ihre Interessen auch selbstständig vertreten zu können. So lautete das Fazit der Bundestagsabgeordneten und Sprecherin für Demografiepolitik von Bündnis 90/DIE GRÜNEN Doris Wagner, die auf Einladung des Kreisverbandes am Dienstag, 03.05.2016 den Landkreis Miltenberg besuchte. Bevor Doris Wagner ihre Vorschläge in der Gaststätte „Zur Alten Post“ zur Diskussion stellte, besuchte sie zusammen mit Landrat Jens Marco Scherf und der Grünen Kreissprecherin Sabine Stellrecht-Schmidt das städtische Jugendzentrum in Erlenbach und das Jugendhaus der Ministrantinnen und Ministranten in Kleinheubach. Letztere hatten in Eigenregie das alte Pfarrhaus in Kleinheubach renoviert und nutzen dieses für ihre vielfältigen Aktivitäten.

Doris Wagner führte aus, dass die Beteiligungsprozesse selbstverständlich altersgerecht ausgestaltet werden müssen. Außerdem müssen diese so angelegt sein, dass sich Kinder und Jugendliche unabhängig von ihrer sozialen Lage, dem Bildungsgrad oder ihrer Herkunft daran beteiligen können. Kinder und Jugendlichen müssen unter anderem dort beteiligt werden, wo sie direkt oder künftig betroffen seien. Das gelte auch für alle Baumaßnahmen in ihrem Wohnumfeld. Wenn man eine kind- und jugendgerechte Wohnumgebung haben möchte, dann sei es mehr als sinnvoll, die jungen Menschen zu fragen, die Expertinnen und Experten in eigener Sache seien, so Doris Wagner. Wenn Kinder und Jugendliche in eigener Sache ernst genommen werden, entwickeln sich diese zu aktiven Bürgerinnen und Bürgern und werden in ihrer Persönlichkeit gestärkt.

Landrat Jens Marco Scherf betonte die Bedeutung der Beteiligung junger Menschen: „Wenn wir ernsthaft versuchen wollen, junge Menschen dauerhaft an ihre Heimat zu binden, dann müssen wir sie bereits als Kinder und Jugendliche ernst nehmen und an Entscheidungen beteiligen. Ich begrüße es deshalb, dass mit Mömlingen, Niedernberg und Mönchberg sich gleich drei Gemeinden des Landkreises Miltenberg am Jahresthema Partizipation junger Menschen beteiligen.“

Doris Wagner sprach sich auch für eine Demokratisierung der Schulkultur aus und schlug zum Beispiel vor: Lernen durch Engagement, Probewahlen an Schulen (parallel zu den gerade stattfindenden Wahlen auf allen Ebenen), selbstverantwortete Lernzeiten in Ganztagsschulen und der stärkere Einbezug außerschulischer Akteure und Akteurinnen. Außerdem müsse die politische Bildung eine größere Bedeutung bekommen.

In der Diskussion stellte Marcel Schmidt, Sprecher des Kreisverbandes, zum Bedauern fest, dass zum Beispiel in Miltenberg momentan ein Jugendzentrum neu gebaut wird, ohne Interesse von „oben“,  die Jugendlichen und Kinder aus Miltenberg im Vorfeld zu befragen, geschweige denn diese bei dem Konzept aktiv zu beteiligen.

Niklas Wagener, Bezirksvorsitzende der Grünen Jugend, stellte die parteienübergreifende Initiative zur Einführung eines Jugendparlaments in der Stadt Aschaffenburg vor. „Wir kämpfen für ein Jugendparlament, das Antrags- und Rederecht im Stadtrat hat und das auch personell von der Stadt Aschaffenburg unterstützt wird.“ Dies könne auch ein Modell für die Einrichtung weiterer Jugendparlamente in der Region sein, so Wagener.